Mountain Calling.

•Mai 22, 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Eines Morgens wachte ich auf und wusste, ich musste in die Berge. Ich überlegte und überlegte, und wusste nicht so recht wohin genau ich fahren sollte, der Himalaya ist ja doch recht groß und Indien deckt einen nicht unerheblichen Teil davon ab. Nach Ladakh und Leh?! In die staubige, steinige Einöde?! Interessant, aber für den Moment nicht das Richtige … Einen Morgen später, Frühstück mit Wangchuk, einem der Mönche, brachte die plötzliche Klarheit: Sikkim. Auf dem Weg dorthin liegt Darjeeling, wollte ich schon letztes Jahr sehen, wird gleich mit nachgeholt. Super Plan. (Auch um meine aus Dtl. mitgeschleppten Pullover mal zu tragen, damit sie nicht ganz umsonst waren.) Es war Samstag und für Sikkim braucht man eine spezielle Genehmigung, da es noch umstrittenes Grenzgebiet zu China ist. China hat die Zugehörigkeit zu Indien nie anerkannt. Die Genehmigung ist eher eine Registrierung, eine Art Visa für 15 Tage, kostenlos, eine Sicherheitsmaßnahme, damit auch nach mir gesucht werden kann, wenn ich nach 15 Tagen, das Land nicht wieder verlassen habe. ;)

Ich mache mich sofort auf, Genehmigung und Zugticket kaufen, 36h später sitz ich im Zug Richtung Osten. Mit der entsprechenden Ausstattung an Obst und Büchern verging die Zeit wie im Flug. Eine ungewöhnlich lange Pause am zweiten Tag, machte mich etwas nervös, das kleine Mädchen im meinem Compartment brachte die Schreckensnachricht, es ginge erst 7h später weiter….!! Jagut, wir hatten eh schon 5 Stunden Verspätung, 7 weitere machten da das Kraut auch nich mehr fett. Immerhin standen wir an einem gut ausgetsatteten Bahnhof, sodass zumindest meine Fettreserven nicht in Gefahr waren, mit ausreichend Imbisständen und schattigen Plätzchen ließ es sich aushalten. Der Bruder des Mädchens holte ein Schachspiel aus der Reisetasche und wir lieferten uns zwei spannende Partien, zur Freude der restlichen Erwachsenen und seiner größeren Schwester. Aber soviel denken machte mich hungrig, zum Nachmittagstee bekomme ich heiße Milch und Kekse, kostenlos von den Indian Railways als Entschädgigung für die lange Wartezeit ausgegeben. Bei dieser Gelegenheit erfahre ich auch, warum wir festsitzen: Streik der linken Parteien gegen den Anstieg der Lebensmittelpreise.

Danach holte ich meine “Very Special Playing Cards” raus und lernte nun vom zweiten Bruder eine indische Skat-Variante mit den dazugehörigen Hindi-Vokablen. Später erklärte ich ihnen MauMau, und die buthanesische Lady vom anderen Upper-Bed mischte sich noch mit “Schwarzer Peter” ein. So waren wir gut beschäftigt bis der Zug wieder anrollte. Aber schon beeindruckend wie ruhig die Kinder in den Zügen immer sind, bedenkt man, dass die Eltern fast den ganzen Tag dösen und sich nur mit ihnen beschäftigen, wenn sie was zu essen geben.

Im Jeep auf den Serpentinen nach Darjeeling hoch (2.100 m), begrüßten mich Kälte, Regen und eine wunderschöne Aussicht, erst auf grüne Hügel, dann auf funkelnde Städte an Berghängen im Dunkel der Nacht. Als wir gegen 21 Uhr ankommen sind die Bürgersteige schon längst hochgeklappt. Der Regen hat alle von den Straßen vertrieben, Unterkunft mit grandiosem Ausblick und ein paar Momos zum Abendessen waren aber schnell gefunden.

Darj ist viel schnuckliger als ich gedacht hatte und hügliger als befürchtet. Da brauch man gar keine Passbesteigung, nach drei Tagen Sightseeing und Lebensmitteleinkauf man auch 3.000 Höhenmeter gesammelt. Will man sich nicht die ganze Zeit auf den befahrenen Serpentinen der Stadt voll hupen lassen, sollte man Ausschau nach einem Strom Einheimischer halten, der hinter einer Hausecke verschwindet -  die Abkürzungen durch die schmalen Gassen, die die parallel verlaufenden Hauptstraßen des Ortes durch steile Treppen miteinander verbinden, sich durch Innenhöfe und Gebäude winden, sind nämlich gar nicht so leicht zu finden …

Aussicht auf schneebdeckte Hügel habe ich in Darj nicht, aber eine Schautafel gibt Auskunft über das momentan durch Wolken verdeckte Panorama. Die kleinen Wölkchen zwischen den grünen Hügeln machen aber auch was her.

Grün war auch der Tee, der auf der “Happy Valley Tea Estate” wuchs. Ich war der einzige Besucher an diesem Vormittag und bekam eine kleine Führung durch die Fabrikhallen, in denen noch Machinen von 1850 (!) genutzt werden. So alt sind auch einige der Teepflanzen die gerade den First Flush liefern, der leuchtend grün vor mir liegt. Nachdem ich noch sehe, wie er gerollt und handverlesen wird, darf ich die Plantage erkunden. Und so streune ich Hügel rauf, Hügel runter bis ich an vorderster Hügelfront stehe und das komplette Tal vor mir sehe. Der Rückweg ist ganz schön beschwerlich, einige Höhenmeter, die ich zurück zur Hauptstraße wieder hochkraxeln muss.

Ich finde durch Zufall die einzige Kneipe Darjs, die länger als bis 22 Uhr auf hat, lese, trinke Whiskey und knabber Popcorn bis sich zwei Amerikaner zu mir gesellen, die beide schon seit ein paar Jahren in Barcelona leben (Für den nächsten Urlaub billige Unterkunft gesichert! ;) ). Auf dem Nachhauseweg herrschten bereits die Hunde über die Straße, klefften und jagten sich durch die Vollmondnacht. Ich genoß den Anblick der kolonialen Architektur, die um diese Uhrzeit nicht von den üppigen Warenauslagen und Werbeschildern der Läden verdeckt wurde.

Am nächsten Morgen weckte mich tiefes Donnergrollen und heftiger Regenfall. Auf meiner kleinen Terasse prasselte ganz schön was runter, Sichtweite 1m. Ich steckte mitten in einer Wolke, kroch unter meine Decke und fühlte mich sauwohl, wie an einem diesigen Sonntag im Herbst, wo man das Haus nicht verlassen braucht. Der kleine Kater, der sich vom gestrigen Abend dazu gesellte, passte hervorragend zu meiner Stimmung.

Die Fahrt nach Gangtok, der Hauptstadt Sikkims verbrachte ich mit einer zuckersüßen indischen Familie und einem etwas schüchternen und wortkargen Japaner. Gangtok war groß und regnerisch und keiner hat mir den Schalter für den Wasserboiler gezeigt, weshalb ich tapferes Mädchen eine kalte Dusche bei gefühlten 10 Grad Außentemperatur nehmen musste … brrrr!! War allerdings schnell vergessen als ich meinen Bauch mit einer großen Schüssel heißer tibetischer Hühnersuppe füllte.

Sikkim wirkt irgendwie sehr aufgeräumt und organisiert. Es ist sauber, kein Müll liegt auf den Straßen, vielmehr noch es gibt Mülltrennung! Die Straßen sind asphaltiert und ausreichend an beiden Seiten gesichert – was in Indien auch selten der Fall ist, vor allem in den Bergregionen. Allerdings sind Treks nur in Gruppen (mind. 2 Personen) und über Reisebüros mit Führer erlaubt, für viele schöne Trekkinggebiete, braucht man zudem noch Zusatzgenehmigungen, die man ebenfalls wieder über ein Reisebüro erhält. Meine Abenteuerlust spricht das nicht gerade an und ob der knappen Zeit, mache ich die restlichen Tage Urlaub in Rumtek, ein kleiner Ort mit zwei Kagyu-Klöstern auf der gegenüberliegenden Talseite von Gangtok.

Der Kulturrevolution in Tibet fiel auch das Hauptkloster der Kagyus zum Opfer, weshalb der 16. Karmapa in den 60ern einen Nachbau in Rumtek initiierte und als seinen neuen Hauptsitz nutzte. Seine Asche wird dort noch in einer goldenen Stupa aufbewahrt und neben dem Kloster gibt es ein Institut für buddhistische Philosophie für Mönche. Quasi ein größeres Kibi. Die Aussicht war unbeschreiblich, konnte dort stundenlang auf einer Bank sitzen und den Wolken beim wandern zuschauen. Wenn ich nicht gerade auf dem Balkon meines kleinen familiären Guesthouses gelesen oder gegessen habe, im Dschungel auf Himbeeren-Jagd war oder mich abends auf nen Plausch im Dorf (sechs Häuser mit Restaurants und kleinen Grocery-stores) getroffen.

Die zweite Monastry war kleiner und älter und voll mit Mini-Mönchen – zuckersüß! Direkt an der Ostspitze des Bergmassivs gelegen hatte man einen genauso wunderbarem Ausblick und ich ging gern im Morgengrauen zu den ersten Puja’s (inkl. salzigem Buttertee + Hefeteilchen Frühstück).

All die Tage habe ich auch in Rumtek keine schneebedeckten Berge gesehen. Hat mich zunächst ganz schön enttäuscht, den ganzen weiten Weg nach Sikkim auf mich genommen, dann die ganze Zeit Wolken und keine Berge für Katrin. Aber als ich so auf meinem Balkon saß, sich die Wolken über mir lichteten und strahlend blauer Himmel zum Vorschein kam, wurde mir klar – Hey, eigentlich ist der Himmel immer blau und die Sonne scheint auch immer, eigentlich ist immer schönes Wetter und der Himalaya ist auch immer da – man kann ihn/sie nur nicht immer sehen. Das ist alles, kein Grund Trübsal zu blasen. Alles eine Frage der Einstellung. Buddhistisch interpretiert wäre das Trübsal blasen das Leiden und die Wolken die Unwissenheit, welche überwunden werden muss, damit man Erleuchtung erlangt – oder zumindest sein Leiden mindert … ;)

Ich hatte meine Lektion gelernt und am nächsten Morgen war der Himmel im Westen klar und gab endlich den Blick frei, bis hinüber nach Tibet und Buthan. Gefreut wie ne Schneekönigin hab ich mich. Nach kurzer Zeit kamen fette Regenwolken und hüllten mich wieder ein, aber das war egal – wusste ja jetzt ganz sicher, was sich hinter ihnen verteckt.

Nachtrag: Den “Happy Valley Tea” gibt’s übrigens auch im Piloten, freu mich schon drauf, ihn dort mit euch zu trinken!!

Rockin’ Hampi.

•Mai 12, 2010 • 1 Kommentar

Unbedingt wollten wir nach Hampi. Von Jedem empfohlen und in einzigartiger zentralindischer Landschaft versprach es Abwechslung zu den Küsten der letzten Wochen. Ja und anders wars, heißer und trockener auch. Mit viel Steinen, die nicht nur interessant geschichtet und gestapelt sind, sondern vor allem viiiiel Wärme speichern können und wieder abgeben … Claudi wär am liebsten gleich wieder nach Goa zurück. Und zugegeben ein wenig überfordert fühlt man sich auch, wenn man erfährt, dass sich die Sehendwürdigkeiten auf ein Areal von über 20km2 erstrecken mit über 500 möglichen Zielen.

Das kleine dazugehörige Dorf, indem wir ein schönes guesthouse mit hellen Räumen und schöner Katze gefunden haben, wirkt wunderbar gediegen und entspannt. Nach anständiger Dusche wagen wir uns direkt an die Hauptattraktion, den riesigen Virupaksha-Tempel mit 42 Meter hohem Goram westlichen Ende des Dorfes, der einzige, welcher noch in voll in Benutzung ist und in dem man sich von einem Elephanten segnen lassen kann. Für ein paar Rupees oder – noch lieber – Bananen legt er einem seinen schweren Rüssel aufs Haupt. Wir waren nun also für die Entdeckung Hampis gerüstet.

Vorm Tempel standen noch zwei riesige geschmückte Festwagen, von den Umzügen der vergangenen Tage. Wir hatten irgendwie Pech mit der Festival-Saison, in Kerala waren wir zu früh und in Hampi zu spät… Konnten also nur die Überbleibsel bewundern und die Müdigkeit aller Anderen, die zuvor tagelang auf den Straßen getanzt hatten.

Die historischen Fakten: Hampi war bis 1343 Hauptstadt des hinduistischen Königreichs Vijayanagar und zur Blütezeit hatte die Stadt etwa soviele Einwohner wie Leipzig. Einige der Granittempel sind sogar aus dem 10. Jahrhundert, ansonsten stammen die unzähligen Paläste, Tempel und Statuen in allen möglichen Ausführungen und Vielfältigkeiten (auch einige nicht jugendfreie) aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Sie erinnern manchmal stark an antike europäische Stätten, mit ihen geometrischem Säulenhallen, man hat neben Handwerkern aus dem Orient auch Künstler aus dem Okzident zu den Baustellen bemüht. Heute wird an allen Ecken und Enden fleißig gegraben und gesucht, es schlummert wohl noch so einiges unter dem Sand. Also wenn ihr mal Lust auf Ausgrabungen habt, dort werdet ihr sicher fündig. Lohnt sich quasi auch alle paar Jahre mal wieder vorbeizuschaun. Aber auch jetzt gibt es genug zu sehen, wir sehen am ersten Tag jedoch nur noch den Sonnenuntergang.

Am nächsten Morgen gings früh raus, wollten die erste Erkundungstour noch vor der Mittagshitze beenden. Hatten am Abend zuvor vor nem Buchlädchen ne kostenlose Karte in die Hand gedrückt bekommen, die uns zumindest einen guten Überblick verschaffte, allerdings hätte die Kunst sie zu lesen, auch an uns überliefert werden sollen. Besonders typisch für Hampi sind die langen schattigen Arkaden, die die großen Temeplanlagen flankieren und die zum Teil noch sehr gut erthalten sind. Wir flanieren in ihren schattigen Gängen und damit ungewollt durch das Wohnzimmer, samt Frühstücksgedeck, noch campierender Festivalbesucher. Ihre Kinder folgen uns wie die Ratten der Flötenmusik und freuen sich über die Fotos von sich, die wir nach langem Bitten von ihnen machen. Da Hampi auch ein beliebter indischer Touristenmagnet ist, fängt die Chose “Picture?” für uns auch wieder an, freundlich lächeln fürs indische Familienalbum! Jedoch sind hier auch viele dabei, die selbst gar keine Kamera besitzen, die aber trotzdem ein Photo wollen – egal, wer das Photo später in sein Album packt, den Moment festhalten für die Ewigkeit.

Die Wege winden sich mit den riesigen Felsen, führen über riesige Steinplateaus oder zwischen zwei Felsen hindurch, die unzähligen kleinen Göttertempel sind organisch in die Steinlandschaft gesetzt. Man kann sich das ein wenig wie das Elbsandsteingebirge vorstellen, nur ohne Wald und mit Granit statt Sandstein. Aber die riesigen Felsen in sich gebrochen, gestapelt, gewürfelt, wie sie die Naturgewalten bearbeitet haben, wirken doch auch wie ein architektonisches Meisterwerk. Wir fanden einen Pfad und stiegen einen Berg hinauf. (Irgendwo gab es eine Treppe, die wollten wir aber nicht erst suchen, Abenteuer und Ungeduld wie immer unser Antrieb!) Auf dem Weg entdeckten wir riesige Steinhöhlen aus Findlingen – wenn man da irgendwo ein Steinchen wegnimmt, arrangiert sich alles neu … haben wir aber nicht ausprobiert. Wir erkundeten lieber die Tiefen der Höhlen, tasteten uns im Dunkeln durch enge Felsspalten, um am Ende in eine kleine Opferungshöhle mit Shiva-Lingam und Blick aufs Tal zu kommen (Opferung von Blumen und Essen, nicht von Jungfrauen, wir opfterten ein “Alpenliebe” Karamelbonbon). Auf dem Berggipfel gabs auch nochmal einen Tempel und eine wunderbare Aussicht auf alles. Von oben und mit Blick in die Ferne, sahen die Steinformationen aus wie Kleckerburgen am Ostseestrand. ;)

Es gibt einen Fluss, der sich durch die Steine schlängelt und hier und da das Land fruchtbar macht – sonst wären ne halbe Million Menschen auch schwer zu ernähren gewesen – durch Kokospalmen, Reis und Bananenhaine streifen wir auf dem Nachhauseweg. Gleich nachdem wir einen frischen Lassi getrunken, frische Kokosnuss gegessen und ein frisches Bad im Fluss genommen hatten. Es war so heiß, dass unsere Klanmotten bei Ankunft im Guesthouse bereits vollständig getrocknet waren.

So erkundeten wir Tag für Tag ein bisschen mehr, schipperten auf runden Korbbooten zur nächsten Tempelattraktion oder tranken den Flußcafés ihren Vorrat an selbstgemachtem Lassi leer.

Dank großzügiger Nachbarn, hatten wir für den vorletzten Tag einen Führer, der uns zu Claudias Freude auch etwas zu den ganzen Steinen erzählen konnte. Und so warfen wir einen Blick in das private Schwimmbad der Königin, sahen die größte Ganesha-Statue Indiens, äh Tschuldigung der Welt, sowie den größten Shiva-Lingam. Die indische Logik ist hier unschlagbar: größter Ganesha/Lingam Indiens = größter der Welt, denn Hinduismus = indische Religion.

Aber auch in Indien ist die Welt klein, der kleine Buchladen, von welchem wir die Hampi-map erhielten und in den wir dann am letzten Abend auch noch schuldbewusst gingen, um das Geschenk zu würdigen, wurde von Aurobindo-Anhängern geführt, weshalb sich Andi kurz über seine Schulzeit mit Ihnen unterhielt. Ja ihre Tochter ging damals auch auf die Schule, sie ist gerade zwei Wochen zu Besuch da, gestern angekommen, welcher Jahrgang er ist? Und unglaublich aber war, die beiden sind in eine Klasse gegangen!!! 25 Jahre nicht gesehen und dann treffen sie sich in Hampi. Weil wir zufällig diese Karte bekommen haben, und Andi zufällig ma wieder in Redefluss gekommen ist … (ich hoffe es dauert keine 25 Jahre, bis ich einen von euch mal wiedersehe!! und Andi sieht jünger aus als er ist. :) )

War ‘n ganz schöner Trip quer durchs Land und der Kreis hat sich in Hampi geschlossen. Während der 16 Tage haben wir 10 Orte besucht und davor, danach und dazwischen allein 6 Tage in öffentlichen Verkehrstmitteln verbracht … Wow! Didn’t felt like that, pretty amazing, especially regarding the fact that we actually experienced a lot!

Die Tour, ums noch verständlicher zu machen – und weil ich den Vergleich so schön finde – wäre in Europa vergleichbar mit einer Fahrt nach Barcelona, die Ostküste gen Süden nach Granada. Bevors nach Portugal geht noch einen Abend an der Straße von Gibraltar verbringen, wo Atlantischer Ozean und Mittelmeer aufeinandertreffen, dann die Küste entlang nach Lissabon. Abstecher nach Madrid und auf dem Rückweg Stop in Bordeaux oder La Rochelle, dann straight zurück nach Leipzig. 6100 km Wegstrecke, drei Staaten, drei Sprachen, eine Währung, zwei Meere in denen man badet, sogar die portugiesischen Kirchen kann man sich anschaun und das Grab Vasco de Gamas … Super oder? Ist der nächste Urlaub quasi schon geplant. Oder was meint ihr? ;) Hihihi….

Auf den Schienen musst du wandern, von dem einen Strand zum andern!

•April 23, 2010 • 4 Kommentare

Erinnert ihr euch, als ich letztes Jahr wiederkam und von meiner Neujahrsreise nach Goa berichtet habe … Ich meinte, jaja ist ganz schön da, aber auch nicht besonders, muss man nicht unbedingt hin, vor allem kein zweites Mal … OH DOCH, muss man!

Goas Strände sind, ich bleibe dabei, nicht die schönsten der Welt, aber – das muss man ihnen zugestehen – sie sind die schönsten Strände Indiens. Wir sind ja inzwischen genügend rumgekommen und ich kann euch versichern: so breiten und feinsandigen Strand (= quietschiger Hiddenseesand), so gelassenes Meer, die besten Budgetunterkünfte und athmosphärischsten Strandbars findet man nur in Goa.

Mit “gelassenes Meer” meine ich übrigens, dass es einem nicht gleich das Höschen auszieht, wenn man auf einer Welle reitet. Merkzettel: nächstes Mal besser Badeanzug mitnehmen…

Der eigentliche Grund für einen weiteren Goa-Aufenthalt: Indien ist einfach verdammt groß! Unser letztes Ziel der Reise lag 28 Zugstunden nordöstlich von Kochin in Zentralindien und wir hatten keine Lust wieder tagelang nur im Zug zu sitzen, zudem war die Aussicht auf ein letztes Bad im Ozean einfach zu verlockend! Denn es ist noch immer heiß – den ganzen Tag; auch die Nacht bringt keine kühlere Luft. Der Temperaturunterschied ist verschwindend gering. Ein nasses Handtuch im Nacken oder auf dem Kopf hilft überraschend gut. Vor allem die Zugreisen überstehen wir damit immer besser. Sowieso entwickelt sich die sleeper-class langsam zum Wohnzimmer mit Zimmerservice für uns. Im Gegensatz zu den AC-gekühlten Abteilen dürfen hier unterwegs Bauern und Händler einsteigen, um ihre Waren anzubieten, von Ananas und Guaven, kühlen Gurken mit Salz und Pfeffer über frischen Lassi in Tüten, Popcorn oder gut gewürzten Sprossen-Puffreis-Salat, gibt es den ganzen Tag lang alles was das Herz begehrt. An Bahnhöfen wird die Bestellung auch frei Haus durchs Zugfenster gereicht. Nichts desto trotz, sucht man auch gerne selbst den Bahnsteig nach neuer Beute ab oder erfrischt sich an den Wasserstationen; immer aufmerksam der Umgebung lauschend, um noch rechtzeitig auf den anfahrenden Zug wieder aufzuspringen und sich dann überraschen zu lassen, was die anderen in der Zwischenzeit gejagt haben.

Außer mit essen vertreiben wir uns die Zeit mittlerweile auch mit den “very special playing cards” und Schach. Endlose Partien mit Taschenlampe bis spät in die Nacht, passend zu der endlosen Landschaft die an uns vorüber zieht.

Kera-lala

•April 19, 2010 • 1 Kommentar

Ich war super gespannt auf den nächsten Staat, der auf unserer Reiseroute lag, das sagenumwobene Kerala. Ein indischer Staat, der sich heraushebt aus der Masse, nicht zuletzt aufgrund seines hervorragenden Bildungssystems, mit dem er eine Alphabetisierungsquote von fast 100 Prozent erreicht. Und ja, man merkt sofort den Unterschied, zusätzlich zu Kreidetafeln gibt es Flatscreens an den Bahnhöfen. Diese die aber leider nicht die Züge ankündigen oder über Verspätungen informieren, nein sie zeigen Werbung, Werbung für neue Bollywoodstreifen, Werbung für Bleichcremes, Werbung für Schmuck. Bildung bringt Wohlstand, ganz offensichtlich, aber wie sinnvoll das in Kerala genutzt wird, da bin ich mir nicht sooo sicher.

Die Hauptstadt Trivandrum (oder auch Thiruvananthapuram) erscheint jedoch noch sehr bodenständig, wir haben nur Zeit für einen kurzen Besuch (Anschlusszug an die Küste erst 3h später, zum Sonnenuntergang wollen wir natürlich am Meer sein) und beschließen – na wer errät’s?! – in den Zoo zu gehen. Hauptsächlich, weil man mit vielen schattenspenden Bäumen rechnen kann und viel wichtiger einer groooßen Eisauswahl! Der Zoo war ganz nett, landschaftlich interessant auf mehreren Ebenen gestaltet, die Tierauswahl jedoch auf wesentliche einheimische Arten beschränkt. Nach dieser sehr übersichtlichen Zootour ging’s weiter mit dem Zug nach Varkala. Ein Ort an der Steilküste gelegen mit sandigen Buchten zum entspannten Schwimmen.

Leider zerstört Geld – wie überall- oft den natürlichen Charme der Dinge und so kommt es, dass die beworbenen Bambushütten Varkalas nicht im entferntesten den vergänglichen, ursprünglichen Liebreiz goanischer Hütten besitzen. Es sind vielmehr stabile Betonbauten mit Plastiktüten Dächern und einem grün-gelben Anstrich, der mit viel Phantasie, zumindest an Bambus erinnert. Alles ist aufgeräumt und leer, da die Saison gerade zu Ende gegangen ist und man kommt sich vor wie auf einem Friedhof, die Bambushütten: Gruften reicher Bürger. Natürlich waren die Preise überteuert. Da gaben wir uns lieber mit einem einfachen Hotelzimmer zufrieden. Immerhin langer Balkon auf der Westseite, mit Hängematten und Blick durch Palmen auf das Meer, was braucht man mehr?!

Morgens konnte man den Fischern, der angrenzenden Dörfer, beim einholen ihrer Netzte zuschauen – oder mithelfen, gefolgt von einem Bad im Meer. Während der Mittagshitze lesend in der Hängematte entspannen, abends im Gold des Sonnenuntergangs in die aufkommende Brandung stürzen, um danach ausgehungert frischen Fisch und kühles Bier zu genießen, die Sinne auf den Ozean gerichtet.

Next stop: Kollam. Hier wollten wir uns endlich in die Backwaters Keralas entführen lassen, mit dem Kanu – weder das Budget noch unsere Zeit ließen einen ausgedehnten Hausbooturlaub zu – schipperten wir durch die üppige grüne Landschaft, ein Wechselspiel aus Bananenstauden und Kokospalmen. Danach hatte sich mein Auge die ganze Zeit gesehnt: frisches Grün, ohne Dreck und Staub. Saubere Natur. Danke Kerala.

Weil hier alles so schön ist, stritten sich auch die Kolonialmächte jahrhundertelang um dieses Fleckchen Erde. Die Portugiesen wurden von den Niederländern vertrieben, welche wiederum von den Briten aus ihren Hängematten gejagt wurden. Auf der Inselgruppe Kochi ist die europäische Geschichte am deutlichsten sichtbar, ein wenig Sightseeing steht deshalb auch für uns auf dem Programm. Als wir am Palast der Königsfamilie ankommen, stehen dort allerdings bereits zwei Reihen klimatisierte Touristen-Busse, schwitzende Europäer werden mit Gruppennummeraufklebern versehen und durch den Palast gescheucht. Wir essen erstmal jeder zwei Eis und warten, bis die Meute zum Mittagessen gefahren wird. Im Palastmuseum erfahren wir dann vor allem zwei Dinge: 1. Bevor die Europäer kamen lebten hier Männer wie Frauen ohne Oberbekleidung, 2. Wenn zwei sich stritten, engagierten sie ausgebildete Kämpfer, um ihren Streit von diesen, auf Leben und Tod, entscheiden zu lassen.

Wir schlendern anschließend durchs Jüdische Viertel, an der ein oder anderen Moschee vorbei, schauen mal in die älteste von Europäern erbaute Kirche Indiens (1503), in der auch Vasco da Gamas erste Grabstätte zu bewundern ist (wurde später nach Lissabon überführt), weiter an alten chinesischen Fischernetzen aus dem 13. Jahrfundert vorbei, werden wir durch die Fischverkäufer an unseren knurrenden Magen erinnert. Touristenfreundlich, darf man sich hier sein Abendessen aussuchen, um es zwei Ecken weiter frisch zubereitet zu bekommen. Ein Kilo saftiger Scampis füllte zugleich unsere Bäuche – lecker!

So historisch europäisch die Inseln auch sind, und so europäisch modern das Festland mit seinen endlosen Glas-und-Stahl-Bauten und blinkenden LED Werbetafeln daherkommt, so sehr ist es doch Indien, wenn man abends nach 23 Uhr nirgends mehr ein Bier bekommt. Wir erkämpfen einen Whiskey an der Bar, die Stühle im Gastraum sind schon hochgestellt. Ah you’re from Germany … bedächtiges Kopfnicken … man hat Mitleid mit uns und gibt doch noch ein Wegbier mit. Danke Kerala.

Heilige Wasser.

•April 15, 2010 • 2 Kommentare

Eine Nachtzugreise entfernt wartete auf uns das nächste Abenteuer: die Südspitze Indiens (8° 4′ N, 77° 35′ O) mit dem klangvollen Namen Kanyakumari, Ort der jungfräulichen Göttin. Noch etwas schlaftrunken stiegen wir kurz nach Sonnenaufgang aus dem Zug, doch die Marschrichtung war klar – gen Süden soweit die Füße tragen. Ohne Frühstück stolperten wir direkt ins Morgengebet einer direkt an der Küste gelegen christlichen Kirche. Und waren reichlich verwirrt ob dem Anblick, der zum Gebet niederknienden Frauen in ihren bunten Saris vor uns. Wir waren gerade zum Abschlussgesang gekommen und wurden vom Pfarrer mit reichlich Weihwasser gesegnet, das er bei seinem Rundgang großzügig Richtung Pforte verteilte. Beim Gang durchs Dorf entdeckten wir auch gleich eine weitere Kirche, mächtiger als die eben Verlassene und zu unserer Verwunderung mit allerlei muslimischen Einflüssen gestaltet. Nur das bereits installierte Kreuz auf dem Kirchturm machte deutlich, um welches Gotteshaus es sich hier eigentlich handelt. Wir schoben die wilde Mischung südeuropäischer und orientalischer Architektur auf die Einflüsse jahrhundertelanger Seefahrerei.

Wer so viel so früh denken muss, bekommt natürlich Hunger – der gerade begonnene Fischmarkt warf uns direkt ins dörfliche Getümmel, war jedoch nicht ganz das, wonach uns verlangte. Doch es dauerte nicht lange und wir hatten unsere Plätze in einem der zahlreichen Straßencafès eingenommen, um uns an Idly (gedämpfte Reislinsen), Vadai (frittierte Donuts aus Reismehl+??) und herzhaftem Kokosnusschutney sowie Masala Dosa (großer dünner knusprig gebackener Reismehlfladen mit warmem Kartoffel-Zwiebel-Irgendwas) zu laben. War das lecker! Das ist das typische südindische Frühstück, gibt’s quasi tagein tagaus, aber so gut, dass es uns nicht überdrüssig wurde; und fast ein wenig gesund mit den gedämpften Iddlies ;) .

Nun trotz ihrer Jungfräulichkeit hatte die Göttin so einiges an kulturellen und historischen Besonderheiten an das Kap gezaubert, die wir fleißig abarbeiteten. Ihr gewidmet ist ein großer Tempel-Komplex, von außen eher mit einem Quadratischen Zirkuszelt zu verwechseln, rot-weiß-gestreift machte es auf mich keinen tempelhaften Eindruck, aber man lernt ja dazu, innen war es dafür umso interessanter. Die Tempelanlage verlief größtenteils unterirdisch und man wurde von großen Hallen in immer kleinere Gänge geleitet. Glockenklang, Gemurmel und Räucherstäbchenduft folgend, konnte man dann im Inneren beleibte, schwitzende Tempeldiener ihren Gottesdienst verrichten sehen, einen kurzen Blick auf die Jahrhunderte alte Steingöttin werfen, um seinen Weg weiter durch die Katakomben hinaus suchen. Diese alten südindischen Tempel beeindrucken mich wirklich, sie sind vom Aufbau und der Verzierung ganz anders als die Tempel, die ich aus Delhi kenne. Quasi ne wilde Mischung aus Alice im Wunderland und Indiana Jones.

Weiter im Programm waren die beiden vorgelagerten Inseln am Kap. Die eine bebaut mit einer Gedenkstätte für den großen Hindu-Philosophen Vivekananda, der hier mal zufällig drei Tag meditiert hat – man sieht, die Indern tun ihr Bestes aus jeder Fliege einen Elefanten zu machen, sobald man für etwas Eintritt verlangen kann, sind sie sehr kreativ in der Schaffung national wichtiger Orte. Auf der anderen Insel wurde erst vor ein paar Jahren eine riesige Statue (40 m) eines tamilischen Dichters errichtet, sein Name noch unaussprechlicher als vom guten Vive – der Vollständigkeit halber möchte ich ihn euch aber nicht vorenthalten – Wer ihn beim ersten Mal ohne holpern aussprechen kann, bekommt ‘n Lutscher von mir – Achtung, Name kommt jetzt: Tiruvalluvar. Okay war nicht soo kompliziert, but still tricky.

Hinduistisches Pilgerziel ist Kanykumari nicht zuletzt weil man hier auch Gandhis Asche in die Fluten gestreut hat, natürlich auch mit Denkmal verewigt.

Die schönste Stelle für uns war der kurze Strandabschnitt, an dessen vorgelagerten kleinen Felsen sich die Wellen des Meeres gebrochen haben und wir bei Nacht und zunehmender Strömung beobachten konnten, wie Arabisches Meer und Indischer Ozean zusammenflossen, da kamen die Wellen von zwei Seiten, um sich direkt vor uns zu vereinigen … romanticized? maybe … aber schön war’s in jedem Fall. Sternenhimmel, frische Brise und einfach nur Sein, am Ende der Welt.

Heading South.

•April 15, 2010 • 3 Kommentare

In 16 Tagen bis an die Südspitze Indiens und wieder zurück nach Delhi, 6160 km mit dem Zug, ratternd durch das staubige und heiße Land. Immer möglichst nah unter den installierten Ventilatoren, um die Hitze einigermaßen zu ertragen. Wobei es einem um die Mittagszeit eher wie ein Aufguss in der Sauna vorkommt, wenn die heiße Luft an den Körper gepeitscht wird. Da hilft nur viel Wasser trinken und vor allem viel Wasser essen! Bewaffnet mit saftigen Äpfeln (Pink Ladies – einzige vernünftige Apfelsorte hier und sehr zu empfehlen), reifen Wassermelonen und süßen Weintrauben gings von Delhi aus im 36-Stunden-Tamil-Nadu-Express(!!?) an die Ostküste Indiens, tief in den Süden nach Pondicherry. Einen Blick auf Chennai war uns in der 30-minütigen Fahrt zum Busbahnhof gegönnt. Was wir mitbekamen, sah auf jeden Fall nett aus. Nett war auch die Weiterfahrt, mit Blick aufs Meer linker Hand und Blick auf 70er Jahre Bollywood-Movies geradeaus ging die Zeit schnell vorbei.

Unser erstes Ziel war Pondicherry, da dort die Eltern von Andi – achja, ich vergas unsere kleine Reisegruppe vorzustellen: Claudi, allseits bekannt durch frühere Reiseberichte und Leipzig-Besuche; Andi, befreundeter Buddhist und Architekt aus Stuttgart; Katrin, verrücktes Huhn aka crazy chicken – ein Haus besitzen, in dessen Klimaanlagen-gekühlten Räumen wir es uns erst einmal gemütlich machen wollten, um uns langsam an die bevorstehenden Tage in der Wärme des Südens zu gewöhnen. Pondi ist wie Goa ein kleiner Stadtstaat an der Küste Indiens und unter Touristen und Indern aufgrund seiner kolonialen Vergangenheit und des Meerblicks sehr beliebt. Jedoch besticht es weniger durch Hippies, Drogenparties und lange Sandstrände (die gibt es hier leider nicht mehr so viel, werden alle weg gespült) sondern seinen südeuropäischen städtischen Charme. Ehemals französisch besetzt ist es geprägt von Gemütlichkeit, guten Kaffeehäusern und gutem Essen. Naja, richtig europäisch ist hier natürlich nichts (mehr), außer den vielen Europäer die hier Urlaub machen oder wohnen. In Pondi wurde auch der erste Sri-Aurobindo-Ashram gegründet, in dem die Lehre vom Integralen Yoga von Aurobindo und einer Französin später nur noch “The Mother” genannt, gelehrt wurde. Das ganze Konzept war ziemlich erfolgreich, denn beim schlendern durch die Stadt gehörte fast ein Drittel der Gebäude zum Ashram. Es gibt Schulen mit Turnhallen und Bibliotheken, unzählige Gasthäuser, Läden und sogar Krankenhäuser. City in the city somehow. Und damit nicht genug, 1968 gründeten Mitglieder des Ashrams eine weitere Stadt: Auroville, eine Modellstadt als utopisches Wohn-, Lebens- und Bewusstseinsexperiment. Diese Aussteigerkommune mit der idealistischen Bestrebung eine religionsfreie, multikulturelle Begegnungsstätte zu schaffen liegt acht Kilometer nördlich von Pondi, hat rund 2.000 Einwohner und einen der letzten Sandstrände der Gegend – Grund genug uns Scooter auszuleihen, den indischen Landstraßenverkehr zu bezwingen und die Sache mal abzuchecken. Mit den Rollern durch Indien brausen, durch die Dörfer und Städte war so fantastisch, sich aktiv in den Strom des Verkehrs einzufügen – ausweichen, überholen, hupen – Teil des Schwarms werden … Letztes Jahr in Goa hatten wir die Landstraßen komplett für uns – was auch seinen Reiz hatte, aber jetzt, das war die advanced version, Indien wunderbar nah und intensiv.

Nicht ganz furchtlos, aber unbeschwert und aufgeputscht durch die neu gewonnene Freiheit kamen wir am Strand an. Blauer Himmel, endlose grüne Hecken übersäht mit leuchtend pinken Blüten, ein Café und architektonisch wunderbar gestaltete Bambushütten konnten jedoch leider nicht vom mörderischen Gestank ablenken, der vom Strand herüberwehte. Ein Blick über die Hecken verriet den Grund, hunderte Sardinen fein säuberlich zum Trocknen im Sand aufgereiht, verliehen der Meeresbrise diesen intensiven unvergesslichen Fischgeruch. Die zahlreichen Raben und Möwen verteilten den Fang zudem noch fleißig überall im Gelände, toter Fisch links, toter Fisch rechts – die Katzen hat’s gefreut.

Drei Kaffee und drei französische Teilchen später, hatte man sich schon fast an den Gestank gewöhnt, schnell fanden wir heraus: trat man vor die Fische direkt ans Meer oder saß oben auf der Terrasse der Bambushütte, kam man auch in den Genuß die unverfälschte Meeresluft einzuatmen. Wir blieben und ließen es uns im Paradies gut gehen. Baden bei Sonnenauf- und untergang (weil’s so schön ist und um schlimmere Verbrennungen zu vermeiden), frische Säfte bis der Bauch platzt und natürlich Ausflüge mit dem Scooter auf den schattigen Alleen Aurovilles.

Nachtrag 1: Andi’s Eltern waren selbst Anhänger Sri Aurobindos und sind ganz klassisch in den Siebzigern überland nach Indien gekommen. Fanden es so schön, dass sie eine Weile blieben und immer wieder zurückkehrten, um sich schließlich auch der Auroville-Gemeinschaft anzuschließen. Andi verbrachte deshalb seine ersten Schuljahre in dem International-Indischen Internat des Ashrams in Pondi. Nach sieben Jahren verlagerte sich der Hauptwohnsitz der Familie wieder nach Deutschland. Aber da man dieses Land schwer loslassen kann, gab es bald wieder eine zweite Adresse in Pondi. Für Andi waren die ersten Tage demnach eine Rückkehr nach Hause und wir hätten uns keinen besseren Reiseführer wünschen können. ;)

Nachtrag 2: Weil wir uns also so wohl gefühlt haben, haben wir das mit dem fotografieren auch ein wenig aus den Augen verloren … entschuldigt.

Ode an die Hitze

•April 9, 2010 • 1 Kommentar

Ich schwitze.

Oh du schöner Sonnenschein

Kommst morgens schon ins Zimmer rein

Kalte Dusche doch ich schwitze

Trete wassertrunken in die Hitze

Suche Kühle spendenden Schatten

Lasse Eis erfrischen meinen Rachen

Aber deine Strahlen ringen mich nieder

Im Bett kühlt der Ventilator meine Glieder

Eine Wassermelone gibt neue Kraft

Ein paar Stunden noch, dann ist es geschafft

Doch es gibt kein Entrinnen

Weder draußen noch drinnen

Ob morgens, mittags, abends oder in der Nacht

Sonne, du strahlst – das ist ne Pracht

Ganz egal ob ich laufe, liege oder sitze

Ich schwitze.

 
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